Tag 3

Brampton → Greenhead → Bardon Mill

2016-06-28
Moritz Möhwald, Lukas Raabe, Lukas Kollmer


9:30 Uhr / Motivationslevel: Außergewöhnlich hoch

Schon während des ausgewogenen und schmackhaften Frühstücks, wurde eifrig besprochen, was man denn nach der überraschend frühen Rückkehr unternehmen sollte. Vorhaben wie Uno spielen, in den Whirlpool gehen oder auch seine Nase in den ein oder anderen guten Roman zu stecken, halten durch das mollig warme Esszimmer. Was 3 Stunden weniger Wandern doch für eine Euphorie auslösen konnten. Denn laut Hr. Henke würde jener schicksalhafte 28.6.2016 der kürzeste Wandertag von allen werden. Nach dem das letzte Butterbrot geschmiert, und die letzten Schuhe imprägniert waren, machte sich der gut gelaunte Trott Richtung Bus auf, denn der Startpunkt des heutigen Tages sollte Greenhead sein.

10:00 Uhr / Motivationslevel: Immer noch beachtlich hoch

Die illustre Runde passierte, nach dem verlassen des Busses, ein Haus das am Tag davor (vor der blamablem Niederlage gegen Island) noch mit einer Englandflagge dekoriert war. Diese schien jedoch plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Diese Tatsache hinderte die Truppe aber lange nicht daran “hippe” Musik über die mitgebrachten Bluetooth Lautsprecher zu hören. Mit flotten Hip Hop Rhythmen näherten sich die Schüler der ersteren Steigung. Diese schien jedoch, dank des motivierenden Sprechgesangs kein all zu großes Problem darzustellen.

11:00 Uhr / Motivationslevel: Hoch

Als nach einer kleinen Pause, die Steigung einfach nicht aufzuhören schien, merkte man das die anfängliche Motivation schon einen kleinen Knick erhalten hatte. Auch die kecke Musik war nicht mehr zu vernehmen, vielmehr wich sie einem angestrengten Stöhnen. Doch die versprochene Rückkehr um 3 Uhr, hielt die allgemeine Stimmung oben.

13:00 Uhr / Motivationslevel: Akzeptabel

Zu diesem Zeitpunkt erinnerte die Wanderung stark an eine Achterbahn, es war ein ständiges Auf und Ab, jedoch war es langsamer und auch um einiges langweiliger. Auch der denkmalgeschützte Steinhaufen nebenihnen, der am Anfang noch Reaktion zwischen ungläubigen Staunen und totaler Fassungslosigkeit hervorgerufen hatte, änderte an dieser Tatsache nichts. Naja, diese läppischen 2 Stunden würden ja noch zu machensein.

13:41 Uhr / Motivationslevel: Durchwachsen

Na nu, wo ist den Sabrina hin ? Wie die England Flagge am Beginn der Etappe, schien auch Sabrina, der Sonnenschein der Truppe, wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Doch mit einer professionellen Ruhe, zählten die Lehrkräfte darauf, dass sich das Problem wohl bald von selbst lösen würde. Die Schüler, die ihre suchenden Blicke über die immer gleich grünen Wiesen Nordenglands schweifen ließen, spekulierten eifrig darüber, ob es sich bei einem, einige Kilometer entfernt stehenden Baum, um Sabrina handeln würde. Dem war nicht so.

14:17 Uhr / Motivationslevel: Hoffnungsvoll

Der Teil der Schüler, der auf das entgültige Verschwinden ihrer Mitschülerin spekuliert hatten, wurden bitter enttäuscht, als sich ihre Silhouette am Horizont zeigte, Anderseits waren sie natürlich auch froh,sie wieder unbeschadet in ihr Rudel aufnehmen zu können. Zudem schien auch das vermeintliche Ende der Tour nicht mehr weit zu sein. Mit den Gedanken an eine spaßige Partie Uno, mobilisierten die Schüler ihre letzten Kräfte und machten sich auf Richtung Once Brewed, dem vermeintlichen Ende der Tour.

14:45 Uhr / Motivationslevel: Stark ernüchternd

Die Hoffnung auf eine baldige Reise ins Land des geschrieben Wortes würde jäh zerstört, als Hr.Henke die finale Ankunft, als noch eine gute halbe Stunde entfernt “eruierte”. Naja diese halbe Stunde konnte man ja noch verkraften.

15:00 Uhr (schon Zuhause) / Motivationslevel: Niedrig

Das englische Wetter entschied sich nun spontan doch noch seinem Klischee zu entsprechen, was die Stimmung der Gruppe nicht gerade verbesserte. Tränen der Frustration waren auf Grund des Regens kaum mehr zu erkennen. Aus der guten halben Stunde war mittlerweile eine sehr sehr gute halbe Stunde geworden. Der Unmut gegenüber den Lehrkräften wurde von guter halber Stunde zu guter halber Stunde größer. Doch plötzlich konnte die schweigsame Schülerschaar am Ende der Landstraße das scheinbar erlösende Museums Gebäude ausmachen. Durchnässt und erschöpft schleppte sich die, anfangs noch so fröhliche Truppe in das kleine Museumsgebäude.

15:30 Uhr (schon eine halbe Stunde Zuhause) / Motivationslevel: Bedenklich niedrig

Den geschundenen Schülern blieb vor totaler Fassungslosigkeit, das letzte Stück Butterbrot im Halse stecken, als ihnen Hr.Henke mit einer bemerkenswert Gelassenheit die Hiobsbotschaft überbrachte: Noch 2 weitere Meilen bis zum neuen finalen Ziel Bardon Mill. Je nach dem wen man fragte konnten dass zwischen 0 und 8 Kilometer sein. Das Lehrer-Schüler Verhältnis hatte unter diesem Ereignis natürlich stark gelitten. Boykottaufrufe und Morddrohungen waren in der Gruppe keine Besonderheit mehr.

15:45 Uhr (schon eine gute halbe Stunde Zuhause) / Motivationslevel: Unter aller Sau

Hr.Henke entschied dass dies der richtige Zeitpunkt sei, um den Schülern mitzuteilen, dass die noch vor ihnen liegenden 2 Meilen, in nur 40 Minuten zu bewältigen sein, da man sonst über eine Stunde warten müsse. Nachdem sich die Schüler durch eine schlammige Waldpassage gekämpft hatten und noch den ein oder anderen Hügel überquert hatten, landeten sie schließlich bei einer stark befahrenen Autobahnauffahrt. Die Zeit wurde indessen immer knapper. Als nun sogar Hr.Henke anfing zu rennen, wurde den Schülern der Ernst der Lage bewusst und die mit den letzten Kräften setzte sich die traurige Masse langsam Bewegung.

16:22 Uhr (schon fast anderthalb Stunden Zuhause) / Motivationslevel: Pure Enttäuschung

Nachdem die armen Gestalten völlig verschwitzt und ausgelaugt, grade noch rechtzeitig die Bushaltestelle erreicht hatten, mussten diese festellen das alle Anstrengung umsonst gewesen waren, da der wohl Verspätung hatte. Diese Zeit konnte wenigstens dazu genutzt werden sich gegenseitig sarkastische Bemerkungen an den Kopf zu werfen, bis der Bus nach 20 Minuten dann doch noch endlich erschien.

17:00 Uhr

30 Minuten Busfahrt: Keine motivierende Musik, kein Stöhnen, keine Gespräche. Nur betroffenes Schweigen.

17:40 Uhr

Im Haus angekommen (fast 3 Stunden später als erhofft) trennte sich die anfangs noch fröhliche Truppe. Aus dem kürzesten Tag war, mir nichts dir nichts, der schlimmste geworden. Jeder muss dieses traumatischen Erlebnis wohl auf seine eigene Art und Weise verarbeiten.